
"Rest" by Anastasia Simrit Kaur
In meinem Umgang mit Künstlern habe ich gelernt, dass es einen entscheidenden Unterschied zwischen herkömmlicher und spirituell orientierter Kunst gibt: während bei der “normalen” Kunst die Deutung dem Betrachter überlassen bleibt, (und der Künstler manchmal sogar, ganz ‘Diva’, dem Betrachter eigenständiges Denken abspricht, wenn nach einer Interpretation gefragt wird) hat spirituelle Kunst stets ein klares, unmissverständliches Ziel.
Das bedeutet nicht, dass die eine Kunst der anderen überlegen ist: Kunst spielt immer eine Rolle, wenn es um eine Erweiterung der Perspektive in der Gesellschaft geht; sie beeinflusst den Geist. So gesehen hat Kunst an sich stets eine “spirituelle” Seite.
Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass Kunst am ehesten zugänglich ist bei den Künstlern, die die Absicht ihrer Arbeiten verstehen.
Ich sprach mit Anastasia Simrit Kaur (26), einer jungen, russisch-amerikanischen Nachwuchskünstlerin, die schon längst die Aufmerksamkeit der spirituellen Community L.A.s auf sich gezogen hat.
DANA HEIDNER-KRUEGER: Was willst du mit deiner Kunst ausdrücken?
ANASTASIA SIMRIT KAUR: Mein Ziel ist stets, dem Raum, in dem sich meine Kunst befindet, eine heilende Energie zu vermitteln. Jedes Werk hat einen Namen, der seine spezielle Funktion bezeichnet: einige Werke regen einen meditativen Zustand an, andere Entspannung, wieder andere Kreativität und Leidenschaft oder Wohlstand. Es ist mir wirklich wichtig, positive Gefühle zu vermitteln. Ich hoffe, dass die Menschen, die meine Kunst ansehen, etwas Gutes spüren, dass sie genießen was sie sehen, und dass es angenehme Erinnerungen in ihnen weckt. Wenn ich male, befinde ich mich in einem meditativen Zustand – so sehr, dass ich, wenn ich fertig bin, nicht weiß, was eigentlich geschehen ist!
DANA HEIDNER-KRUEGER: Wer hat deinen Stil beeinflusst?

"Deep Sea: explore" by Anastasia Simrit Kaur
ANASTASIA SIMRIT KAUR: Wo soll ich anfangen… ich glaube, ich muss meiner Mutter den meisten Kredit geben, denn sie hat mich den verschiedensten Einflüssen ausgesetzt. Sie ist selbst Künstlerin, und ihre Designs in sachen Innenarchitektur zu sehen war sehr cool.
Sie sammelte auch Vintage Mode und Accessoires. Sie hatte Hüte und Schuhe aus dem Viktorianischen Zeitalter und ließ mich damit spielen, die Textur, Designs und Stickereien erkunden. Sie war auch gut befreundet mit vielen zeitgenössischen russischen Künstlern. Quasi von Geburt an einer kreativen Umgebung ausgesetzt zu sein, hat mich wohl auf unbewusster Ebene beeinflusst.
Eine meiner frühesten Erinnerungen an Kunst spielt in Russland, als ich sehr jung war. Meine Mutter hatte eine Spraydose mit pinker Farbe, kleidete den Flur mit Tapetenpapier aus, und lud Gäste ein, die nach Herzenslust herumsprayen durften. Die Gäste waren immer so geschockt und fasziniert, weil das etwas so Ungewöhnliches war und so ‘gegen die Regeln’ – wer veranstaltet schon Graffiti im eigenen Flur? Ich konnte die Freude in den Gesichtern sehen, wenn sie eine Blume malten oder einfach ihren Namen sprühten.
Andere Künstler, die mich beeindruckt haben, sind, um nur einige zu nennen, van Gogh, die russischen Avantgarde-Künstler des letzten Jahrhunderts wie Vorobyev, Ginadiyev, Lyukshin, Chagall. Die Graffiti-Künstler von Los Angeles. Meditation, Yoga, Tanz, Worldmusic, verschiedene alte Kulturen. Wenn ich all meine Einflüsse aufschreiben müsste, würde das wohl ein Roman werden!
DANA HEIDNER-KRUEGER: Gibt es Lebenskonzepte, mit denen du resonierst?
ANASTASIA SIMRIT KAUR: Ich resoniere sehr mit den Konzepten des Zen und des Tao; Taoismus ist die Philosophie des Paradoxons.

"Hamsa, bright" by Anastasia Simrit Kaur
Die erste Zeile des Tao Te King (auf dem der Taoismus basiert) ist, dass ‘Wahrheit nicht als Wahrheit bekannt sein kann’, oder, in anderen Übersetzungen: ‘Tao, das erfasst wird, ist nicht Tao’. Eine weitere Erforschung des Tao Te King enthüllt ständige Paradoxe. Für mich ergänzen diese Konzepte die Konzepte der Quantenmechanik, wo wir auf dem winzigen Level der Atome gleichzeitig hier und nicht hier sind. Es ist irgendwie überwältigend und erfüllt mich mit einer gewissen Freiheit.
Und meine Mutter hat mich mit Kundalini-Yoga und Meditation bekannt gemacht, als ich 14 war, und nun unterrichte ich beides selbst, ebenso wie Kundalini-Yoga für Schwangere. Ich unterrichte auch Bauchtanz, der für mich ein zutiefst spiritueller, frauenbejahender, heilender Tanz ist.
DANA HEIDNER-KRUEGER: Hast du ein Motto, nach dem du lebst?
ANASTASIA SIMRIT KAUR: Ein Spruch von Mark Chagall drückt mein Lebensmotto perfekt aus: “In unserem Leben gibt es eine einzige Farbe – wie auf der Palette eines Malers – die Leben und Kunst Bedeutung gibt: es ist die Farbe der Liebe.”
Eine Auswahl von Simrits Werken ist bis Ende Juli 2011 im Whole Foods in Los Angeles, auf dem Santa Monica Blvd., Ecke Fairfax Blvd. ausgestellt.
http://simritkaur.com/

Dana Heidner is a muli-cultural German living in L.A. with a passion for art, wellness and pop culture as well as a love for good food, fast cars, fashion and... shoes.





