
Ort des Geschehens: Eine Autowaschanlage in Hollywood.
Ich sitze auf einer der Bänke, die die Waschanlage für ihre Kunden aufgestellt hat, unter einem riesigen Sonnenschirm. Das Leben ist schön. Mein Blick schweift auf die Bank neben mir, auf der es sich eine typische Hollywood-Tante bequem gemacht hat: etwa 60 Jahre alt, aufgespritzte Lippen, blondiertes, auftoupiertes Haar, die Falten maskenhaft gestrafft nach der x-ten Schönheits-OP. Sie trägt unzählige Ringe am Finger, ihre Armreifen klirren bei jeder Bewegung. Sie telefoniert natürlich, an ihrem Ohr ein pinkfarbenes, mit Strass-Steinchen besetztes Handy. Ich lächle. Hollywood-Tussen Klischee pur.
Neben der Lady lärmt eine Gruppe 16-jähriger: Drei Jungs und ein Mädchen. Sie machen Witze und fühlen sich ganz offensichtlich richtig cool: schwarze, hautenge Hosen, Nieten, ihre Haare in dem Stil, den man in den Achtzigern als “New Wave” bezeichnet hat—der nun aber “Emo”* genannt wird. Gleiche Mode, neuer Name.
Gerade, als ich mich in eine Zeitschrift vertiefen will, stößt die Hollywood-Tante einen schrillen Schrei aus: “A beee! Really close to your face…!” (“Eine Biiiiene! Ganz nah an Ihrem Gesicht…!”)
Ich gucke neben mich und sehe eine Hummel. “So what…?” (Na, und…?”) fange ich gerade an zu erwidern, als die Hummel sich auf den Weg zu ihr macht. “Iiiihhh”, kreischt sie. “Was ist los? Es ist bloß eine Hummel…”, fange ich an, aber sie hört mich nicht, denn sie ist bereits aufgestanden und fängt an, nach dem Tierchen zu schlagen… woraufhin das Insekt seinen Flugkurs ändert und sich auf den Weg zu dem Emos macht. Bei denen ist sofort jegliche Coolness vergessen. Sie wedeln wild mit den Armen, springen herum wie von Sinnen und kreischen in Panik.
Mein Auto ist fertig und strahlt in der Sonne. Kopfschüttelnd und lachend verlasse ich die Szene. Ich kann mich des Impulses nicht erwehren, diese Hummel gern vor diesen Leuten retten zu wollen. Wo sind die bloß aufgewachsen? Hat denen niemand gesagt, dass Hummeln einem nichts tun, wenn man nicht nach ihnen schlägt? Man sollte sie nur nicht runterschlucken. Aber bei so einem Theater wird es tatsächlich wahrscheinlicher, dass einem so ein Ding in den offenen Mund fliegt.
*Emo kommt von dem Wort “Emotion” und die Anhänger dieser Mode-Erscheinung betrachten dies als Lebensstil, der mit den Worten emotional, sensitiv, scheu, introvertiert, ängstlich und depressiv beschrieben wird. Jawohl.