Wie das Schoßhündchen zum Schmetterling wird


Hollywood.  Was für Bilder tauchen vor Ihrem inneren Auge auf? Palmen, sicherlich, Strand, und all diese weltbekannten Hollywood-Stars in ihren teuren Autos.
Es sind alles Klischees, zugegeben, aber das Witzige an Klischees ist doch meist, das sie ziemlich oft stimmen.
Deswegen gibt es hier in Los Angeles auch etwas, das definitiv nicht in Ihrer Vorstellung fehlen sollte: Kleine Schoßhündchen, die auf dem Arm ihrer meist weiblichen Besitzerinnen spazierengetragen werden.
Es ist mir hier schon mehr als einmal passiert, dass ich gerade beim Shoppen war und plötzlich von einer kalten Hundeschnauze an der Schulter angestupst wurde. Besagtes Schnäuzchen ragte aus der Handtasche seiner Besitzerin, darüber sahen mich braune Äuglein mit einem mindestens ebenso fragenden Ausdruck an wie die Botox-betäubten, hochgezogenen Augenbrauen der Hundehalterin.

Egal ob berühmt oder nicht, es gehört hier zum guten Ton, einen Schoßhund zu besitzen. Schließlich machen es einem ja die Stars vor: Jennifer Lopez, Jessica Alba, Tori Spelling, Susan Sarandon, Missy Elliot, Christina Aguileira, Charlie Sheen, Jake Gyllenhaal und Al Pacino – alle sind sie auf den Hund gekommen.
Woher ich das weiß? Nun, ich habe mich mit dem Besitzer einer Hunde-Boutique unterhalten, bei dem die Superstars ein und aus gehen, und der hat ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Mike Campbells Hundeladen “Doggie Styles” in Beverly Hills bietet alles für den verwöhnten Hund: von Keksen und Torten (ohne Zucker, natürlich) über Spielzeug, Shampoo, Tragetäschchen bis hin zu Ballerina-Kleidchen. Jawohl, Sie haben richtig gelesen: Ballerina-Kleidchen.

Klar, Trends schwappen bekanntlich über aus den USA. Aber kommen Sie jetzt bitte nicht auf die Idee, ihren Deutschen Schäferhund in ein Ballerina-Kleid zu stecken. Für Mr. Campbell gibt es nämlich einen gravierenden Unterschied zwischen den großen und den kleinen Hunden. Die Kleinen, so Campbell, wurden nur für einen Zweck gezüchtet: Schoßhündchen zu sein. Wenn man also gerade eine Party zu Hause gibt und sein Chihuahua-Hündchen verkleidet, um seinen Gästen etwas zu lachen zu geben – wer ist denn Mr. Campbell, zu sagen, das dürfe man nicht? Vor allem, wenn er doch Kostümchen dieser Art verkauft. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Was für ein Hundeleben. Das hätten sich die Vorfahren unserer Hunde, die Wölfe, sicher nicht träumen lassen – als Party-Attraktion im Ballerina-Kleidchen herumgereicht und ausgelacht zu werden. Nein, dann schon lieber als böser Wolf, verkleidet als Großmutter, mit Nachtmütze auf dem Kopf, wie einst bei den Gebrüdern Grimm. Oder? Tja, so ist das eben in Hollywood. Da werden Märchen wahr.

Übrigens: Al Pacino hat kein Schoßhündchen, das er in Kostüme steckt. Laut Mr. Campbell hat er einen Golden Retriever. Und der bekommt vielleicht ein paar Hundekekse – aber damit hat es sich auch schon. Das ist durchaus beruhigend zu wissen. Jede andere Vorstellung hätte nämlich meinem Bild von Al Pacino einen irreparablen Kratzer verpasst.

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