
Dieser Artikel erschien am 23. Juli 2011 in der “Neuen Westfälischen Zeitung”.
VON DANA HEIDNER-KRUEGER UND REINHARD KARGL
Nach der Katastrophe in Fukushima gab man sich in den USA tief bewegt und erschüttert, während in Deutschland Hunderttausende von Menschen zu Demonstrationen gingen. Während die Bundesregierung grünes Licht für einen Atomausstieg bis 2022 gab, lief manch einem in Hollywood ein Schauer über den Rücken, wenn er daran dachte, wie nahe das hiesige Atomkraftwerk “San Onofre Nuclear Generating Station” doch eigentlich an L.A. liegt. An Demonstrationen jedoch dachte niemand.
Eine mögliche Erklärung für die eingeschlafene amerikanische Anti-Atomkraftbewegung erscheint an den Haaren herbeigezogen:
Nach einer Phase des Engagements in den Siebziger und Achtziger Jahren, gab es für die Bewegung möglicherweise keinen aktuellen Anlass mehr, als keine neuen Zulassungen zum Bau neuer Reaktorenvergeben wurden. Zwar gingen die letzten Reaktoren offiziell in den früheren Neunziger Jahren in Betrieb, sämtliche Zulassungen jedoch wurden bereits in den Siebzigern gewährt.
Vielleicht aber sind die Amerikaner auch mit weniger umweltfreundlichem Bewusstsein erzogen worden. Hierzulande gehört es beispielsweise zum Alltag, dass Kunden von ihren Einkäufen in Supermärkten mit zahllosen Plastiktüten nach Hause kommen.
Es gibt hoffnungsvolle Anfänge, wie die USA-weiten Supermarktketten Trader Joes (ein Unternehmen der Aldi-Brüder) und Whole Foods, die ausschließlich Papiertüten anbieten und den Kunden, die ihre eigenen Taschen mitbringen, Verlosungstickets für Gutscheine anbieten. Gemessen an dem Bevölkerungsausmaß der USA ist das jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Zudem streiten sich bekanntlich Gutachter, ob Papiertüten wirklich so umweltfreundlich sind, schließlich werden zur Herstellung teilweise Holz und riesige Mengen an Wasser benötigt.
Unterdessen ist das am weitesten verbreitete Argument für nukleare Energie in den USA immer noch die Annahme, dass Atomkraftwerke die sauberste Energie vermitteln und zur Versorgung der Bevölkerung notwendig sind.
Dass Schwarzenegger in seiner Zeit als Gouverneur von Kalifornien dennoch versucht hat, alternative Energien einzuführen, ist ihm anzurechnen. Damit hat Schwarzenegger mit Kalifornien erfolgreich eine Vorreiterrolle für die USA übernommen. Kein Wunder, ist seine Heimat Österreich doch ein Land, das bereits seit den Siebziger Jahren auf alternative Energien setzt.
Unter Schwarzeneggers Amtszeit wurden in Kalifornien große Steuererleichterungen für Solar- und Windstrom eingeleitet. Außerdem hat sich Kalifornien im April (vorbereitet von Schwarzenegger, unterzeichnet von Kaliforniens neuem Gouverneur Jerry Brown) als erster Staat der USA gesetzlich verpflichtet, einen steigenden Prozentsatz der Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen: bis 2020 sollen die hiesigen Elektrizitätswerke 33 Prozent ihres Stroms aus alternativen Quellen beziehen.
Bereits jetzt ist nach Auskunft der U.S. Energy Information Administration (EIA) der Gewinn von Elektrizität aus Windenergie in Kalifornien im Vergleich zum letzten Jahr um 40% gestiegen; die Verwendung von Solarenergie hat sich seit letztem Jahr verdoppelt. Nicht nur in Kalifornien, sondern in den gesamten USA ist Energie aus erneuerbaren Quellen auf dem Vormarsch.
Nach Auskunft des Congressional Research Services jedoch, dem Recherchedienst des US-amerikanischen Kongresses, ist gleichzeitig das Interesse am Bau neuer Reaktoren wiederaufgeflammt. Rund 30 weitere könnten demnach zu den derzeit 103 bestehenden Reaktoren in den USA hinzukommen.
Die Weichen stehen auch in den USA auf Veränderung, hin zu erneuerbaren, umwelt- und menschenfreundlicheren Methoden. Die alten Dinosaurier der Energiegewinnung aber sind noch weit davon entfernt, auszusterben. Ob Demonstrationen der US-Bürger zum Beenden von Atomkraft– so wie in Deutschland – dazu betragen könnten, wird wohl eine Frage bleiben, die mangels entsprechender Initiative nie beantwortet werden kann.
Herzlichen Dank an meinen Kollegen Reinhard Kargl, ohne dessen Wissen und Recherche dieser Beitrag so nicht entstanden wäre. Reinhard ist ein deutscher Wissenschafts- und Technologiejournalist, der in Los Angeles lebt.


Dana Heidner is a muli-cultural German living in L.A. with a passion for art, wellness and pop culture as well as a love for good food, fast cars, fashion and... shoes.





