
Dieser Artikel erschien am 2. Juli 2011 in der “Neuen Westfälischen Zeitung”.
Carola M., (43) eine deutsche Journalistin und Wahl-Amerikanerin auf Zeit, war drei Jahre lang erfolglos auf der Suche nach einem Lebenspartner in Los Angeles: “Ich weiß nicht, ob das nur in L.A. so ist, aber jeder Mann, den ich hier kennengelernt habe, hat sich nach ein paar Wochen einfach nicht mehr gemeldet. Wir hatten die beste Zeit, und dann war auf einmal Sendepause. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden.”
Carola hatte ihre Dates meist auf Dating-Webseiten kennengelernt – die Wahl des paarungswilligen Amerikaners von heute. “Bist du auf match dot com?” ist die Frage, die sich Freunde im heiratswilligen Alter untereinander stellen. Dass das Internet die bevorzugte Wahl für Frauen ist, ist nur zu verständlich wenn man bedenkt, dass es in den USA absolut verpönt ist, einen Mann in einer Bar kennenzulernen.
Dass hingegen manche Männer auf Seiten wie match.com hoffnungsvolle Weibchen an der Nase herumführen, und verschweigen, dass sie eigentlich gar keine Beziehung eingehen können, weil sie verheiratet sind, ist ein offenes Geheimnis. Zwar gibt es Online-Agenturen wie die “Ashley Madison Agency”, die in Radio und Fernsehen mit dem Slogan wirbt: “Life is Short. Have an Affair.” (Das Leben ist kurz. Hab’ eine Affäre.) – aber offenbar ist diese offensichtliche, zielgerichtete Absicht, bei der das Ende schon so gut wie feststeht, nicht jedermanns Sache.
Inzwischen ist Carola nach Deutschland zurückgekehrt, wo ihr eine Festanstellung in einem Fernsehsender angeboten wurde. Vielleicht folgt ja bald auch das Glück in der Liebe für sie –zuhause in Deutschland, wo die Menschen bodenständiger sind.
Jennifer P. stammt ursprünglich aus Chicago und ist erfolgreiche Anwältin in Hollywood. Die Mittvierzigern ist seit
Jahren in einer festen Beziehung und trifft – via match.com – etwa jeden zweiten Monat einen anderen Mann: “Ich gehe nie bis zum Letzten – nur Flirten und alles drumrum, aber schlafen würde ich mit einem Mann nie so einfach.” Jennifer meint, sie hofft, jemanden kennenzulernen, der so perfekt ist wie ihr momentaner fester Freund: viel Geld, handwerklich geschickt, hochintelligent, gutaussehend – aber mit einem weiteren Bonus: er muss heiraten wollen.
Im Gegensatz zu Deutschland ist es besonders in den Großstädten der USA durchaus üblich, mehrere Dates gleichzeitig haben – falls gewünscht, Sex inklusive. Das beweist, dass die Gepflogenheiten in den USA tatsächlich mitunter weniger puritanisch ist, als ihnen nachgesagt wird: solange man seinen Dates mitteilt, dass man sich auch noch mit anderen potentiellen Partnern trifft, ist alles in Ordnung.
Vielleicht ist das der Grund, warum manche Männer hier manchmal zu kleinen Tricks greifen, wenn sie wirklich eine Frau mögen:
Ryan L. (32) erzählt mir, dass er bei seinem momentanen Date eine Technik anwendet, die er als “Pinning” bezeichnet: er versucht, mit ihr so oft Dates auszumachen, wie es nur geht, ohne aufdringlich zu erscheinen. Nebenbuhler, so meint der liebenswerte junge Drehbuchautor, haben damit allein vom zeitlichen Aspekt her keine Chance.
Wenn Ryan dann sein Ziel erreicht hat, die Liebe wächst und irgendwann die Verlobung vor der Tür steht, wird seine Freundin zum einjährigen Jubiläum einen Ring erwarten. Aber nicht nur irgendeinen: der Verlobungsring, der einer Amerikanerin würdig ist, muss einen Diamant haben und ein 2 bis 3-faches Monatsgehalt wert sein. Sprich: zwischen vier- und siebentausend Dollar.
Da lobt man sich doch die einfachen Datingregeln in Deutschland:
1. man hat nicht und will eine Beziehung (man dated einen Partner)
2. man hat nicht und will mal schnell (Frühstück nicht inbegriffen)
3. Punkt 2 schließt in der Regel Punkt 1 aus, aber es gibt Ausnahmen.

Dana Heidner is a muli-cultural German living in L.A. with a passion for art, wellness and pop culture as well as a love for good food, fast cars, fashion and... shoes.






Diese Technik des “Pinnings” ist ja lustig. Man sollte es aber eigentlich nicht übertreiben. Das könnte auch nach hinten losgehen, aber machmal scheints ja zu klappen